Was ist LARP?

Wer kennt diese Situation nicht? Man liest ein gutes Buch oder sieht einen spannenden Film und ist völlig in der Erzählung gefangen, aber auf einmal handelt die Hauptfigur auf eine Art und Weise, die man überhaupt nicht verstehen kann und man denkt sich, „Ich hätte das mit Sicherheit ganz anders gemacht!“.

Rollenspiele geben uns genau diese Möglichkeit. Anstatt eine Geschichte nur als Außenstehender erzählt zu bekommen, nehmen wir selbst eine Rolle als ProtagonistIn an, tauchen ein in eine andere Welt und erleben unsere ganz eigene Erzählung, in der wir entscheiden, wie die Handlung sich weiterentwickelt.

Larp (oder Liverollenspiel), das heißt „Live-Action Roleplay“, also Rollenspiel, bei dem die jeweiligen DarstellerInnen die Handlungen der eigenen Figuren auch tatsächlich physisch umsetzen und ausführen, anstatt – wie beim Tischrollenspiel – nur davon zu erzählen. Mithilfe von passenden Kostümen und Schauplätzen erwacht eine Geschichte so tatsächlich zum Leben und erlaubt uns, so direkt wie nur möglich, daran teilzuhaben.

Larp gibt uns die Möglichkeit, Dinge zu tun und Erlebnisse zu haben, die uns im wahren Leben verwehrt bleiben. Als mittelalterlich-fantastische Kriegerin auf der Jagd nach Trollen durch den Wald streifen und gegen boshafte Räuber kämpfen, als Detektiv auf den Spuren von Sherlock Holmes Morde im viktorianischen England aufklären oder als Offizierin eines Raumschiffes über das Schicksal der ganzen Crew entscheiden, was auch immer das Thema der Handlung ist, wir selbst sind es dabei, die im Mittelpunkt der Erzählung stehen, unsere eigenen Entscheidungen treffen und das Geschehen bestimmen.

Das Rollenspiel erlaubt es uns dabei, uns selbst in den verschiedensten Rollen zu erleben und auszuprobieren, auch in solchen, die uns eigentlich fremd sind. Einen Tag lang ein richtiger Fiesling sein, eine raubeinige, laute Person oder vielleicht eine selbstlose Altruistin? Larp macht es möglich, am eigenen Leib zu spüren, wie all das sich vielleicht anfühlen könnte, ohne die realen Konsequenzen dafür in Kauf zu nehmen.

Das nämlich ist der Kern des Rollenspiels – es bleibt immer und zu jedem Zeitpunkt nur ein Spiel, also eine geschützte Umgebung, um uns nach Lust und Laune auszutoben. Egal, wie brutal der Kampf wütet, wie tief die Feindschaft der Figuren ist oder wie traurig die finale Wendung der Geschichte sich darstellt, dahinter steht vor allem das eigentliche Ziel, einzigartige Erlebnisse zu teilen, besondere Erfahrungen zu machen und vor allem gemeinsam Spaß zu haben.
Text: Maximilian Hofbauer